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CONTINUU||M - Programme

CONTINUU|LES GOÛTS RÉUNIS|M

“Die Deutschen sind gute Leute. Auf den ersten Blick wirken sie wild und grob (...) Die Deutschen sind den Elefanten vergleichbar; zunächst wirken sie schrecklich, doch sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, werden sie sanftmütig.“
Charles-Louis de Montesquieu schreibt diese Sätze anlässlich seiner Reisen durch Deutschland in den Jahren 1728 - 1729. Dass die Deutschen den französischen Stil und Geschmack im Gegensatz zu diesem pointierten Zitat sehr geschätzt haben, zeigt im musikalischen Bereich die unermüdliche Adaption des französischen Stils deutscher Komponisten des 18. Jahrhunderts in ihren eigenen Werken. Die Gegenüberstellung groß besetzter französischer Werke deutscher Komponisten, wie Philipp Heinrich Erlebach, Johann Caspar Ferdinand Fischer, Georg Muffat und Georg Philipp Telemann mit der filigranen, extraordinären Kammermusik von französischen Komponisten wie Jean-Baptiste Barrière, Jean-Philippe Rameau und Jean-Marie Leclair gibt Einblick in die Welt der französischen Klangsprache und spielt mit den Erwartungen und idiomatischen Charakteren der französischen Barockmusik – ist doch die Hälfte des Programms von wilden und groben Deutschen geschrieben.

Philipp Heinrich Erlebach: Ouverture Nr. 6,  aus „six Ouvertures avec leurs Airs à la Manière francaise", 1693
Jean-Baptiste Barrière: Sonata II. a tre en Ré Mineur, Livre III, Sonates pour le violoncelle avec la basse continue
Georg Muffat: Florilegium Secundum: Facsiculus 1, Nobilis Juventus
Jean-Philippe Rameau: Cinquiéme Concert, aus "Pièces de Clavecin en Concert", Paris 1741
Johann Caspar Ferdinand Fischer: Suite Nr. 4 in D-Moll, aus „Le Journal du Printemps“, Augsburg 1695
Jean-Marie Leclair: Deuxième Récréation de Musique d’une exécution facile. Composée pour deux Fluttes ou pour deux Violons et la Basse Continue, Oeuvre VIII, 1737
Georg Philipp Telemann: Ouverture Suite „La Musette“ g –Moll, TWV 55:g1

 - Änderungen vorbehalten  -


CONTINUU|INSOMNIA|M

Insomnia spielt mit der Nacht in all ihren Facetten. Hier durchdringt Bibers Nachtwächterruf die Nacht, dort erregt Vivaldis lautmalerische Schilderung „La Notte“ die Aufmerksamkeit; Monteverdis und Palestrinas Madrigalen laden indes zum Träumen ein, inspiriert von James Dillons 2001 komponiertem Traumwerk; frühbarocke Lieder Johann Kriegers, Johann Nauwachs u.a. trösten die Nachtwandler, Auszüge aus Bachs Goldberg-Variationen berühren die Schlaflosen. Bis schließlich Purcell all jene belohnt, die die Nacht unbeschadet überstanden haben und der aufgehende Morgenstern den lichten Tag verkündet.

Angepasst an die lokalen Gegebenheiten wird keine einzelne Bühne und kein frontaler Programmablauf den Abend bestimmen. Vielmehr greift das Konzert unterschiedliche Raum- und Klangkonstellationen auf und schafft mit unterschiedlichen musikalischen Genres, Besetzungen und Klängen differenzierte Atmosphären und Stimmungen. Die Zuhörer werden Teil der Musik und tauchen in die Erzählung einer unvergesslichen Nacht ein.

Werkauswahl (Auswahl erfolgt in Abstimmung mit dem Konzertort): 

Heinrich Ignaz Franz von Biber: Serenada a 5 „Der Nachtwächter“, Salzburg 1673
Johann Joseph Fux: „Le dolcezze e l’amerezze della notte", KV E112
Antonio Vivaldi: „La Notte", RV 439
Jean-Baptiste Lully: Prelude pour la nuit, le mystère et le silence, aus: „Ballet Royal de la Nuit" 
Lorenzo Allegri: Primo libro delle musiche, Primo Ballo: „La notte d’Amore
Claudio Monteverdi: „Dara la Notte", aus Sesto libro di madrigali, 1614
Claudio Monteverdi / Giacomo Carissimi / Giovanni Pierluigi da Palestrina: „Nigra sum" 
Johann Nauwach: „Itzt und kömpt die Nacht herbey", aus Teütscher Villanellen, Theil 1, Dresden 1627
Johann Philipp Krieger: „Die holde Nacht" 
Johann Valentin Görner: „Die Nacht" & "An den Schlaf" 
Heinrich Albert: "An quia quotquot amant ipsi sibi somnia fingunt"
Jakob Kremberg: „Ich bin verliebt in einen Traum" 
Christoph Bernhard: „Wahrer Traum" 
Dietrich Buxtehude: „Ich suchte des Nachts", BuxWV 50
Henry Purcell: Secresy’s song „One charming night“; „See, even night herself is here"; „A Dance for the Followers of the night"; „Now the night is chas’d away", aus „The Fairy Queen" 
John Dowland: „From silent night" 
Georg Philipp Telemann: „Die Tageszeiten", Hamburg 1757, TVWV 20:39 
Georg Friedrich Händel: „O nox dulcis", aus HWV 240 
Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variation, BWV 988 (Auszüge) 
Giovanni Antonio Pandolfi Mealli: Sonata prima „La Stella“ aus Sonate a Violino Solo, op.3 
Anonymus (aus dem Minoritenkonvent Wien): Contrapunct sopra la Baßigaylos d’Altr. „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ 
Marin Marais: „La Reveuse" Nr. 28 IV. 82 
James Dillon: „Traumwerk 2 & 5", aus Book 2, für Violine und Cembalo (2001)

- Änderungen vorbehalten -

 

CONTINUU|ABENDMUSIK|M

Im Norddeutschland des 17. Jahrhunderts waren die sogenannten Abendmusiken regelmäßige Veranstaltungen, in denen geistliche Werke außerhalb eines liturgischen Kontextes zur Aufführung kamen, was zum damaligen Zeitpunkt ein absolutes Novum darstellte. Franz Tunder, Kantor der Lübecker St. Marienkirche gilt als Innovator der Abendmusiken in Lübeck (die aber auch an anderen Orten in Norddeutschland existierten). Prominent und bis heute in Erinnerung geblieben, sind sie vor allem durch Tunders Nachfolger, Dieterich Buxtehude. Zu dessen Abendmusiken kam während seines Lübecker Besuches 1705 vermutlich sogar Johann Sebastian Bach. Klein besetzte Kantaten und Sonaten geben einen Einblick in die prachtvolle hanseatische Welt des Barocks und verzaubern mit ihrem oft lautmalerischen und rhetorischen Dialogen zwischen Gesang und Instrumentarium die Musiker und Zuhörer gleichermaßen.

Werke von Philipp Heinrich Erlebach, Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Thomas Selle, Dieterich Buxtehude, Johann Rosenmüller, Johann Philipp Krieger u.a.