From Inside
 
 

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From Inside - Ein Gesualdo Projekt

Vocalconsort Berlin
James Wood, Dirigent
Hans-Werner Kroesinger, Regie

„Man kann nicht sterben durch Schmerz und Qual allein“, lässt Carlo Gesualdo (1566-1613) in seinen „Sacrae Cantiones, Buch II“ singen. Zu sterben aber hat er sich vielleicht gewünscht – Gesualdo, der Mörder, Doppelmörder gar an seiner Frau und ihrem Liebhaber; Gesualdo, der einsam und isoliert zudem bald nach der Tat seinen Sohn verliert. Vielleicht war auch Giacinto Scelsi (1905-1988), der jahrelang in psychischer Behandlung und in dieser Zeit unfähig war zu arbeiten, gedanklich dem Tode nah. Trotzdem wird beiden Komponisten Schmerz und Leid zum Material und zum Motor ihres Schaffens, das Werke hervorbringt, die als kondensierte Psychogramme des (auch lustvollen) Leidens zu lesen sind. Hier, in den „Sacrae Cantiones“, gipfelt es in fast übermächtige Expressivität und Emotionalität, dort, in „Sauh“ (1985) und „Three Latin Prayers“ (1970), in Werke asketischer Reduktion und Schlichtheit, die sich nahezu aus dem Irdischen löst.
Gesualdo, wie auch Scelsi, bewegen sich in ihrem in Stilistik und Satzkunst revolutionärem Werk außerhalb der gängigen Systeme – die Haltlosigkeit des Selbst, das jede Bodenhaftung verliert, findet im unabhängigen, normbrechenden Werk seine Entsprechung. In der Verschränkung beider schärfen sich die Extreme und werden in ihrer Tiefendimension erfahrbar.
Die szenische Umsetzung „From Inside – Ein Gesualdo Projekt“ lässt der außerordentlichen Klangwelt und der poetischen Kraft dieser Solitäre der Musikgeschichte den gebotenen Raum. Durch die minimalistisch gestaltete Bühne aus beweglichen, teils verspiegelten Quadern führt die Regie von Hans-Werner Kroesinger das bühnenerfahrene Vocalconsort Berlin zu variierenden Gruppenkonstellationen zusammen, die hier Ablehnung, dort Isolation und Vereinzelung, aber auch die voyeuristische Menge verkörpern. Verstärkt durch eine als Triptychon angelegte Videoprojektion, die Material aus dem Prozeßen zu Gesualdo und assoziatives Bildmaterial flackern, fließen, rauschen lässt, verdeutlicht sich die Virulenz der Schuld. Kunstvoller a-capella Gesang wird kombiniert mit Sprechtexten aus den Prozessakten zu zeitgenössischen Berichten und mit Sonetten von Torquato Tasso, die dieser aus Anlass des Mordfalls schrieb.

Uraufführung
30. April 2012, Radialsystem V, Berlin, im Rahmen des Festivals zeitfenster - VI. Biennale Alter Musik

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Gesualdo - Sacrae Cantiones
harmonia mundi france

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Kirsten Junglas
+49 (0)30 6956607-13
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